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Ushuaia - Die südlichste Stadt der Welt

Im Schneesturm sind wir hier angekommen, aber in den darauffolgenden Tagen hat sich das Wetter in strahlenden Sonnenschein zu angenehmen 16 Grad gewandelt.


Ushuaia’s 135. Geburtstag

Die ersten Nächte haben wir noch mit unseren Freunden aus Polen verbracht und quasi die Schneetage ausgesessen. Bei Kälte, Schnee und Wind haben wir es uns im Bulli bequem gemacht.

Einen Versuch haben wir vergangen Samstag beim schlechten Wetter doch gestartet. Ushuaia lockte mit dem 135. Geburtstag der Stadt und mit einem „Festival“.

Das „Festival“ entpuppte sich als eine Parade. Eine Parade des Militärs, Polizei und andere verschiedene Schutzbehörden. Davon haben sie hier ganz schön viele. Wir empfanden diese Parade als eine zur Schau Stellung, was die Stadt zu bieten hat. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass Ushuaia die sicherste Stadt Argentiniens ist. Es gibt hier wenig Kriminalität und so gut wie keine Diebe. Stehlen lohnt sich nicht, da man eh nicht von der Insel wegkommt. Umso mehr kommt uns der Aufmarsch der Sicherheitsgarde hier ironisch vor. Aber nun gut, Tradition muss gewahrt werden.

Nachdem wir uns noch eine Tortilla mit Gemüse von den Einheimischen gegönnt haben, haben wir dann das Warme im Bulli gesucht.


Sonntagswanderung

Am Sonntagnachmittag haben wir uns dann aufgerafft und eine kleine 7 km Wanderung gemacht. Die erste Wandertour hier in Argentinien - man mag es vielleicht nicht glauben, aber vorher hatten wir entweder keine Gelegenheit oder keine Zeit.

Es war wunderschön und windig.

Gestartet sind wir an der Küste mit Ausblick auf die chilenischen Anden.

Weiter ging es durch einen arktischen Wald, der auf uns fremd und verwunschen wirkt, wie aus einer Fabel. Bis hin zu einer Estancia, die dann mitten im nirgendwo steht, aber bewohnt scheint, weil wir Qualm aus dem Schornstein steigen gesehen haben. Ringsherum Pferde und Kühe. Das muss ein schönes Leben sein.


Ushuaia & Museen

Die Stadt selbst haben wir uns auch genauer angeschaut und den einen oder anderen Outdoorladen besucht. Wir finden es schön hier, auch wenn hier 64.000 Menschen leben, ist es irgendwie gemütlich. Nach dem ersten Eindruck, man vergleicht es ja dann doch mit dem was man bereits kennt, ist es hier wie in der Schweiz. Die Stadt ist umgeben von einem wunderschönem Bergpanorama, steile Hänge mit Gipfeln bis zu 1500m und das auch noch am Atlantik, weshalb die 1500m dann doch recht hoch scheinen.

Sobald die Sonne scheint, sitzen die Einheimischen mit ihrem Mate auf jedem grünen Fleck Wiese und genießen das Leben mit Freunden und Familie.

Hier stehen nur wenige „alte“ Häuser, für uns wirkt die Stadt relativ jung. In den ältesten Gebäuden hier, sind heute Museen. Die Museen erzählen die Geschichte von der Stadt und den Ureinwohnern.

In einem Gebäude, eine ehemalige Bank, ist die Geschichte Feuerlands niedergeschrieben. Es sind Bilder zu sehen wie die Ureinwohner glücklich in ihren Pelzen und Tipis leben, mit dem Glauben an die Natur und ihren Schamanen. Und dann kamen die Europäer und haben das Land erst in den evangelischen und dann später in den katholischen Glauben gezwungen. Eigentlich traurig, dass die Europäer so viel Kulturgut zerstört haben nur weil sie meinten, es besser zu wissen. Aber davon ist ja nicht nur Feuerland betroffen.

Zu den ältesten Gebäuden gehört auch das ehemalige Regierungsgebäude des Gouverneurs Ushuaias. Leider hauptsächlich in Spanisch ausgestellt.


Gletscherwanderung

Weil es so schön war, haben wir gleich noch eine zweite Wanderung unternommen, wenn auch etwas unvorbereitet, aber schön war es allemal. Angeblich gibt es hier einen Gletscher, zu dem man hoch wandern kann, nichts Wildes - dachten wir.

Also machen wir das als einen Morgenspaziergang.

Die „Aussichtsplattform“ war auch ziemlich schnell erreicht, wunderschöner Ausblick auf den Beaglekanal jedoch von dem Gletscher nichts zu sehen. Da uns die kleine Wanderung bis zur Plattform nicht ganz gereicht hat, sind wir dann weitergewandert.

Es war wunderschön im Schnee, weit und breit keiner zu sehen. Die Sonne scheint, der Hund tobt und alle sind zufrieden. Der Berg wurde nun etwas steiler und auch poröser, Mist hätten wir doch die Wanderstöcke mitgenommen. Da wir dachten, dass es nur ein kurzer Spaziergang wird, hatten wir nur einen kleinen Rucksack und natürlich kein Wasser mit.

Schnee löscht den Durst auch.

Da der Berg aber immer steiler wurde und der Boden uns quasi unter den Füßen wegrutschte, entschieden wir uns umzukehren. Vorher aber eine kleine Pause und den Ausblick genießen. Wer hätte gedacht, dass es hier am Ende der Welt so schön ist.

Ach ja, der Gletscher, selbst im Lonely Planet Reiseführer steht, dass der Gletscher nicht Gletscher genannt werden sollte, da er so klein ist.

Für den Ausblick hat sich die 3 Stündige Wanderung aber gelohnt.


Nationalpark Tierra del Fuego & das Ende der Ruta 3

Wir haben uns schon sehr auf den Nationalpark gefreut, ganz viele Wanderwege zu wandern und wunderschöne Ausblicke zu genießen. So planten wir zwei Nächte im Nationalpark zu bleiben. So der Plan - vielleicht sollten wir einfach aufhören zu planen, denn natürlich kam es anders.

Am Eingang des Parks hielten wir beim Pförtner. Als wir anfingen mit dem Pförtner zu reden, wollte auch Myliu mitreden und fing das bellen an.

Was wir vorher nicht wussten, Hunde sind im Nationalpark nicht erlaubt. Auch nach langem diskutieren, dass wir nur zum Ende der Ruta 3 fahren und den Hund nicht aus dem Auto lassen und dann wiederkommen, wollte sich der Pförtner nicht darauf einlassen. So ein Mist, jetzt sind wir die komplette Ruta 3 bis Ushuaia runtergefahren und dürfen die letzten 12 Kilometer nicht fahren. Der Pförtner kam uns irgendwann entgegen, er bot uns an, den Hund bei ihm zu lassen. Einmal bis zum Ende der Straße und wieder zurück. Nach einer kurzen Überlegung haben wir dann Mylius Hundebox aufgebaut und seine Kuschelmatten reingelegt, 30 bis 40 Minuten dann sind wir doch wieder da. Myliu ging, ohne zu hinterfragen, in seine Box und kuschelte sich ein. Wir sind losgefahren und fühlten uns schlecht. Ohne Myliu ist das irgendwie nicht schön. Fabian gab Gas, schließlich wollen wir so schnell wie möglich unseren Pupser wieder bei uns haben. Bei unserem Glück haben wir den Parkranger mit 60km/h überholt, der uns dann sofort zum Stehen gebracht hat. Völlig aufgebracht fragte er uns, ob wir denn völlig verrückt wären in einem Nationalpark so schnell durch zu brettern, er ermahnte uns und ließ uns weiterfahren. Nicht schneller als 40km/h. Noch schlechter gelaunt, nun ohne Hund und mit Anschiss vom Parkranger, der definitiv Recht hatte, fuhren wir weiter. Irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt.

Auf dem Weg kamen uns Franzosen entgegen, die wir auch beim Reisen kennen gelernt haben. Die beiden haben zwei Kinder und zwei Hunde. Wir guckten nicht schlecht, als wir sie da sahen und haben uns gefragt, wo sie denn ihre Hunde gelassen haben.

Nach einem kurzen Gespräch mit den Franzosen stieg der Frust noch mehr. Der Pförtner hat sie mit Hunden durchgelassen, mit der Bedingung, die Hunde bleiben im Auto.

Nach dem wir ziemlich schlecht gelaunt das Ende der Ruta 3 erreicht haben, sind wir auch sofort wieder zurück. Auf dem Rückweg kam uns der Ranger entgegen, wir entschuldigten uns noch mal, nur für unser Gewissen. Als wir dann mit 30 km/h weiter Richtung Myliu fuhren, wurden wir mehrfach überholt und die waren nicht unbedingt langsam unterwegs.

Da kamen uns die Worte von unserem Freund Daniel aus Puerto Madryn wieder in den Kopf. „Das Problem von Argentinien sind die Argentinier selbst.“

Der eine darf mit Hunden rein, der andere nicht, der eine darf schnell fahren, der andere nicht...

Nach knapp 50 min hatten wir Myliu im Auto, ihn hat es nicht gestört er war gemütlich in seiner Box eingerollt und schlief. Gut, dass wir die dabei haben.

Wir sind wieder zurück in die Stadt. Auf dem Parkplatz neben dem Touristen Informationszentrum sind wir zufällig in das größte VW Camper treffen Ushuaias geraten.

Die Familie ist aus Chile und erkundet die Panamericana mit ihrem VW T2 Karmann Ghia.

Die Familie ist auf Facebook und auch bei Instagram zu finden.


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