• Fabian

Aconcagua im Alpinstil - 6962m

Aktualisiert: Feb 29

Bevor ich von unserer Expedition zum Aconcagua Gipfel berichte, möchte ich kurz ein paar Fakten zum Berg festhalten.

Der Aconcagua ist der höchste Berg Amerikas, der höchste Berg der westlichen und südlichen Hemisphäre oder kurz gesagt der höchste Berg außerhalb des Himalayas. Er ist 6962m hoch und durch die Nähe zum Pazifik bekannt für seine starken Winde. Weiter gilt eine Besteigung als „Das höchste Trekking der Welt“. Die Aussage bringt zwar die Wahrheit über die technischen Gegebenheiten auf der Normalroute am Berg zum Vorschein, verleitet aber dazu den Berg zu unterschätzen. Und genau das war auch unsere Erfahrung. Sicher sind wir nicht DIE Bergsteiger überhaupt, dennoch scheinen im Gegensatz zu uns körperliche Fitness von vielen durch einen höheren Kontostand ausgeglichen zu werden. Die meisten Expeditionsfirmen müssen der Nachfrage ihrer Klienten nach immer mehr Komfort ständig nachkommen und somit wird es selbst oberhalb des Basecamps immer „luxuriöser“. Unserer Ansicht des Bergsteigens widerspricht diese Entwicklung, aber da ist der Aconcagua wohl leider nicht der einzige Berg mit dieser Veränderung.


Unsere Idee war von Anfang an den Berg im Alpinstil zu besteigen, das heißt, dass wir auf Unterstützung von außen möglichst weit verzichten. Kommerzielle Expeditionen nutzen Porter oder Esel um Lebensmittel, Getränke und vor allem schwereres Equipment mindestens bis zum Basecamp oder auch in die Hochlager tragen zu lassen. Wir nahmen uns vor alles selber zu transportieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt für kommerzielle Expeditionen ist die Leitung der Tour durch einen Guide. Der Bergführer gibt häufig das Tempo der Gruppe vor, beobachtet das Wetter um die Gruppe vor schlechten Bedingungen zu schützen und muss gegebenenfalls Entscheidungen einer Planänderung oder ggf. eines Abstiegs treffen. In den Hochlagern sorgt der Bergführer für Trinkwasser und kocht für die Klienten.

Eine große Verantwortung an einem hohen und auch durchaus gefährlichen Berg wie dem Aconcagua.

All diese Verantwortung übernahmen wir selber, ganz bewusst und nicht ohne uns vorher wochenlang auf diesen Berg vorzubereiten. Durch unsere Freunde Pablo und Fernando hatten wir die Möglichkeit uns über jedes Detail bereits im Vorhinein zu informieren. Pablo, welcher selber schon neunmal auf dem Aconcagua und einmal auf dem Everest war, half somit zum Beispiel bei der Planung der Tour und des Equipments.

Fernando gehört die Expeditionsfirma "Grajales Expeditions" und somit hatten wir seine Firma als Ansprechpartner am Berg.

Gerade bis zum Basecamp war es für uns wichtig Kontakte zu haben. Der Aconcagua liegt nämlich in einem Provinzpark und somit geht man beim Eintritt einige Bedingungen ein, welche nur durch die Expeditionsfirmen erfüllt werden können. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Entsorgung des Mülls, sowie die Nutzung von Toiletten im Basecamp sind essenziell und müssen als Service bei den Expeditionsfirmen gekauft werden.

Drei für uns Unbekannte sind Höhe, Kälte und Wind. Auf dem Aconcagua sind Temperaturen bis zu -20 Grad Celsius keine Seltenheit, mit zusätzlichem Wind kann eine gefühlte Temperatur von -35 Grad schnell erreicht werden. Bedingungen, die man nur selten vorher erlebt hat. Vor allem in Verbindung mit dem geringen Sauerstoffgehalt, welcher in den Höhen existiert.

Um uns bereits im Vorhinein an einige Gegebenheiten zu gewöhnen und mit dem Equipment vertraut zu sein, planten wir vorher eine fünftägige Akklimatisierungstour zum Cordon el Plata. Dieser fast 6000m hohe Berg war eine super Vorbereitung. Die Erfahrung wie der Körper bei einer so geringen Sauerstoff Aufnahme funktioniert, ist schon einiges wert gewesen. Es ist einfach alles viel anstrengender und schwerer. Der Körper funktioniert schlichtweg nicht mehr so gut, wie man es gewohnt ist.


Unsere Expedition sollte im Alpinstil durchgeführt werden, heißt also, dass wir so wenig wie möglich und trotzdem so viel wie nötig an Lebensmitteln, Kleidung und Equipment mitnehmen. Unsere Tour war für neun Tage geplant, zusätzlich nahmen wir Lebensmittel für drei weitere Wettertage mit.



Tag 1 – geschrieben von Fabian

Von Horcones nach Confluencia

Starthöhe: 2950m

Zielhöhe: 3500m

Distanz: 7km

Trotz aller Sorgfalt so wenig wie möglich mitzunehmen, zogen wir mit etwa 30kg schweren Rucksäcken los. Selbst das Aufsetzen der Rucksäcke an diesem Tag war kaum mehr alleine möglich.

Entweder man setze den Rucksack im sitzenden Zustand auf oder wir hielten uns gegenseitig die Rucksäcke hoch.

Die Fakten am ersten Tag betrugen etwa 7km und 550hm. Klingt als Trailläufer ziemlich lächerlich, da die Starthöhe aber schon fast so hoch ist wie die Zugspitze, näherten wir uns dem Gipfel bewusst langsam. Zunächst an den Lagunen, welche häufig von Tagesgästen besucht werden, vorbei, über die Brücke aus dem Film 7 Jahre in Tibet, ging es langsam hinauf zum Camp Confluencia. Ich schien meinen Rucksack nicht gut gepackt zu haben, der Kocher drückte mir so sehr in den Rücken, dass mein Hintern fast taub wurde. „Nur noch 2km durchhalten, dann sind wir da und morgen packe ich den Rucksack anders“, so dachte ich... zum Ende hin wurde es doch noch ziemlich schmerzhaft, weshalb ich echt froh war im Camp Confluencia anzukommen.

Dort hielten wir uns an Pablo’s Rat und machten uns bei Grajales Expeditions Freunde. Die Mädels der Campleitung ließen uns Klo und auch Trinkwasser nutzen. Übrigens, viel trinken hilft gegen die Kopfschmerzen der akuten Höhenkrankheit und da hier im Camp Confluencia der Mineralien Gehalt im Fluss zu hoch, um davon trinken zu können, waren wir echt froh, diesen Service nutzen zu können.

Dann hieß es Zelt aufbauen, Isomatten und Schlafsäcke ausrollen und letztendlich kochen... Wie auch für die nächsten 9-12 Tage geplant, sollte es Reis mit Tomatensauce geben... noch sollte es uns sehr gut schmecken. Kurz nach dem Essen mussten wir dann zum obligatorischen Medical-Check. Das Ergebnis war gut und wir bekamen die Erlaubnis weiter aufzusteigen. Später auf dem Weg zum Zähneputzen gab es dann noch die kleine Überraschung, dass in der Grajales Küche Suppe übriggeblieben war und wir eingeladen wurden die Reste zu essen... ein schöner Ausklang für den ersten Tag.



Tag 2 – geschrieben von Jendrik

Von Confluencia nach Plaza de Mulas (Basecamp)


Starthöhe: 3500m

Zielhöhe: 4300m

Distanz: 18km


Der zweite Tag sollte nach unserer Planung schon früh starten, immerhin warteten auf uns rund 18km mit 1000 Höhenmetern. Somit aßen wir um ca. 8 Uhr unser Frühstück, welches aus Couscous und Tomatensauce bestand und packten danach unser Proviant-Paket für die bevorstehende Tour. Nachdem das Zelt eingepackt war und wir unsere Klamotten wieder in die Rucksäcke verstaut hatten, cremte ich mir noch mit Sonnenschutzfaktor 50 das Gesicht und die Hände ein, was sehr lustig aussah, weil ich nun eine „alpinaweiße“ Nase und Hände hatte. Nun konnte es losgehen, wir füllten noch kurz unsere Wasserflaschen auf und verabschiedeten uns von den beiden super netten Damen aus der Camp-Küche. Über ein paar Hügel kamen wir nach kurzer Zeit in eine kleine Schlucht, bei der man das erste und letzte Mal für diesen Tag abbiegen konnte. Der Weg geht zum Plaza Francia, welcher direkt unterhalb von der beeindruckenden Südwand liegt und oft zur Akklimatisierung als Tagesziel von Confluencia genutzt wird. Wir gingen jedoch direkt zum Basecamp. Nach der Schlucht folgten wir dem Weg kilometerlang durch ein Tal, welches gefühlt die ganze Zeit gleich aussah. Es war eine trockene und monotone Landschaft umgeben von riesigen Schotterbergen. 

Gegen Mittag dann mussten wir den Fluss überqueren der sich in dem Tal in viele kleine Arme aufteilte, welche zu Beginn noch einfach zu überqueren waren, aber beim letzten Überspringen  dann doch nasse Füße brachte. Es ging nun etwas mehr Bergauf und wir machten öfter Pause, da das Gepäck und die Sonne uns allmählich fertig machten. So langsam brannten auch die Füße und ich sehnte mich nach einem Pool. Ablenkung für die so allmählich auftretenden Ermüdungserscheinungen fand ich bis auf die hin und wieder vorbeiziehenden Muli-Truppen nicht wirklich. Die Aussicht war zum größten Teil dieselbe und das fast auf der gesamten Strecke.

Kurz bevor es das letzte Mal so richtig steil Bergauf ging, sahen wir zu unserer linken das erste Opfer, welches der Pfad gefordert hatte. Die Überreste eines Maultieres, dieses war wohl von dem 50m höheren Trail hinabgestürzt und dann wohl als Kondorfutter geendet.

Nachdem wir endlich im Basecamp (Plaza de Mulas) angekommen waren, fragten wir wieder bei Grajales Expeditions nach einem Plätzchen für unser Zelt. Wie auch schon im vorherigen Camp wurden wir nett empfangen und wir durften sogar kostenlos das Klo nutzen und unser Trinkwasser auffüllen. Beim Check-In im Ranger Zelt bekamen wir gesagt, dass es im Camp Canada derzeit kein Wasser gibt und es von Vorteil wäre, wenn wir zur besseren Akklimatisierung zum Camp Canada auf und wieder absteigen und erst danach den obligatorischen Medical-Check erledigen. Erschöpft und ausgelaugt machten wir unser Abendessen fertig und gingen danach noch in das Camp eigene Pub-Zelt. Dort eingetreten fanden wir drei Guides sitzend auf Plastik Stühlen vor, die ihren Tee tranken und wohl zuvor eine Mahlzeit genossen. Wir entschieden uns am nächsten Tisch Platz zu nehmen und uns einen Tee zu bestellen.  Nachdem wir eine Box mit einer erlesenen Auswahl an Tee und eine Thermoskanne voll heißes Wasser bekamen, ließen wir den Tag entspannt ausklingen. Gekostet haben uns 2 Liter heißes Wasser plus Teebeutel übrigens rund 20 USD, dafür konnten wir aber das WLAN nutzen und unseren Frauen über unsere Ankunft Bescheid geben. Wir legten uns um ca. 22 Uhr schlafen und ich freute mich schon sehr auf den bevorstehenden Restday.


Tag 3 – geschrieben von Jendrik

Restday in Plaza de Mulas (Basecamp)


Starthöhe: -

Zielhöhe: -

Distanz: -

In der Nacht auf Tag 3 schlief ich zum Teil sehr schlecht, weil Fabian leise schnarchte und wie sich im nachhinein herausstellte unsere norwegische Zeltnachbarin ebenfalls, aber dafür so laut, dass es gefühlt das ganze Camp hören konnte. Irgendwann konnte ich aber wieder einpennen und hab noch genug Schlaf bekommen können um die Strapazen vom Vortag auszukurieren. Zum Frühstück gab es … ihr dürft gerne raten…. Couscous mit Tomatensauce, verfeinert mit Gewürzen aus unserem Multistreuer. Den Tag über verbrachten wir mit Wasser trinken, Musik hören, und ich schaute mir ein paar zuvor runtergeladene Folgen bei Netflix an. Das wirklich beeindruckende war, dass Fabian mit seinem Handy Empfang hatte und wir so ein paar Nachrichten rausschicken konnten um daheim und bei den Frauen für Beruhigung zu sorgen. So gammelte ich die meiste Zeit des Tages im Zelt und legte mich später in die Sonne, welche uns auf dieser Höhe eine angenehme Temperatur bescherte, die mir aber prompt auf meiner Winter geblichenen Haut einen Sonnenbrand brachte. Wir planten noch die nächsten Tage und kochten uns zum Abendessen ein weiteres Mal Reis mit Tomatensauce und gingen danach zeitig ins Bett. Im Großen und Ganzen war das ein langweiliger, aber notwendiger Tag.


Tag 4 – geschrieben von Jendrik

Carryday von Plaza de Mulas nach Canada


Starthöhe: 4360m

Zielhöhe: 5050m

Distanz: 3km


Tag 4 brach an und der Plan für diesen Tag war einzig und allein Wasser und Klamotten vom Basecamp zum Camp Canada, welches ca. 3km und 690hm entfernt war, zu bringen. Es gab wie in den letzten Tagen schon, Couscous (den ich nach dieser Tour wohl so schnell nicht mehr essen werde) und natürlich feinste Tomatensauce „made in Argentinia“. Wir entschieden uns 8ltr. Wasser, Klamotten für die wirklich kalten Tage und Lebensmittel für die folgenden Camps hoch zu schleppen. Es ging stetig und steil Bergauf, aber es war angenehmer als Tag 2, da wir ja nur einen Bruchteil des Gesamtgewichts trugen. Wir kamen gut voran und waren schon nach gut 3 Stunden am Ziel. Das hört sich für Trailläufer mal wieder sehr langsam an, aber um die akute Höhenkrankheit zu vermeiden, ist es gerade wichtig den Puls niedrig zu halten und das klappt am besten, indem man sehr langsam geht. Das fiel uns nicht immer leicht, aber wir gewöhnten uns daran.

Camp Canada lag auf einem recht großen Absatz und man konnte einen guten Blick auf den naheliegenden Gletscher erhaschen. Viel los war da irgendwie nicht. Es standen einige Säcke mit Müll und Klamotten anderer Leute herum, aber viele Menschen waren dort nicht. Wir suchten uns einen schönen und ebenerdigen Platz und sicherten unsere Klamotten dort mit ein paar Steinen.

Zurück im Basecamp hieß es dann ab zum Medical-Check.  Bei der Schamanin im Zelt angekommen trafen wir auf eine lustlose Dame, die die Prozedur gefühlt schneller hinter sich bringen wollte als unser eins.  Sofort wurden der Sauerstoffgehalt und der Blutdruck gemessen, die Werte kurzerhand auf die Rückseite unseres Permits geschmiert und wir waren ohne viele Worte wieder entlassen. 

Was ich noch ganz vergessen habe zu erwähnen...

Es war Futters Geburtstag!!! Und so haben wir uns zur Feier des Tages natürlich etwas gegönnt. Nämlich eine Packung Kekse, die einzige, die wir dabeihatten. Nach unserer abendlichen Reis-Schlonze mit Tomatensauce entschieden wir uns noch auf ein 7 Dollar teures Bier (also jeder ein Bier ;-)) und Erdnüssen zu anderen Bergsteigern, welche wir schon im vorherigen Camp kennengelernt hatten, zu gesellen. Nach ein paar interessanten Geschichten und nettem Austausch, hing um ca. 22 Uhr die Hose auch wieder kalt am Bett und ich freute mich ehrlich gesagt schon auf den nächsten Tag, da es endlich weiter hinauf ging.


Tag 5 – geschrieben von Fabian

Von Plaza de Mulas nach Canada


Starthöhe: 4360m

Zielhöhe: 5050m

Distanz: 3km


Wie am vorherigen Tag war das Ziel wieder Plaza Canada. Diesmal allerdings mit leichtem Gepäck. Schließlich mussten wir nur noch das Zelt, die Isomatten, Luftmatratzen, Schlafsäcke, sowie Kocher und Kleinkram hochschleppen.

Dementsprechend schnell waren wir nach 2,5 Stunden schon oben und obwohl wir extra spät nach unserem Standard Couscous Frühstück losgegangen waren, wurde der Tag trotz Kartenspiel ziemlich langweilig. Ähnlich wie beim Ultra Laufen scheint es wohl beim Besteigen solcher hohen Berge zu sein... jedes Hoch ist von einem Tief gefolgt, oder andersherum. Es scheint so als ob man beim Höhenbergsteigen viel, viel Geduld benötigt. Gerade dann, wenn man zum ersten Mal in diesen Höhen ist, muss man sich Zeit lassen und jede Möglichkeit der Akklimatisierung nutzen. Gleichzeitig zehrt es an den Nerven, da wir aus Deutschland, bzw. den Alpen natürlich anderes Bergsteigen gewohnt sind... Ein Ultra scheint mir wohl doch sehr kurzweilig dagegen zu sein.

Hier im Camp 1, Plaza Canada war wieder ziemlich wenig los und das obwohl die Tage zuvor sehr viele Gruppen aufgestiegen waren. In uns stieg die Hoffnung auf einen nicht zu überfüllten Summitday... aber wer weiß, wie die anderen Gruppen ihre nächsten Tage planten.

Nach dem, noch, lecker schmeckenden Reis mit Tomatensoße, sind wir sehr zeitig in den Schlafsack gekrochen und hofften auf einen spannenden folgenden Tag.

Da wussten wir aber noch nicht, welch gefährliche Situation uns am nächsten Morgen überraschen sollte.


Tag 6 – geschrieben von Jendrik

Von Canada nach Nido de Conderes


Starthöhe: 5050m

Zielhöhe: 5550m

Distanz: 3km


In der letzten Nacht machten sich die dicken Schlafsäcke bezahlt. Es wurde deutlich frischer als im Basecamp und die dünne und trockene Luft machte den Atemwegen und der Leistungsfähigkeit deutlich zu schaffen. Für mich war dieser Morgen ein besonderes Ereignis, denn wie die Tage zuvor kreiste ein Condor über die Camps. An diesem Tag jedoch kam er zum ersten Mal in greifbare Nähe. Ich kniete am Zelt Eingang und wollte wohl zum Packen der Klamotten nach draußen gehen, als der Condor schon in Sichtweite seine Kreise zog. Ich kramte nach meinem Smartphone um ein Foto knipsen zu können und da war er plötzlich, 5m über mir und starrte mir direkt in die Augen. Hübsch sind sie ja nicht, aber allein die Größe hat mich so sehr erstarren lassen, dass ich nicht fähig war das riesen Vieh zu fotografieren.


Fabian möchte meine Erzählung wie folgt ergänzen:

„Jendrik wurde von einem Condor weggetragen, also zumindest fast. Das große Vieh flog nämlich so knapp über das Zelt, dass die beiden sich in die Augen schauen konnten. Ich war währenddessen im Zelt und konnte den Condor nur noch von hinten wegfliegen sehen. Ich muss schon sagen, dass ich noch nie einen so riesigen Vogel gesehen habe. Die Situation war so schnell vorbei und Jendrik so sehr unter Schock, dass wir leider nicht in der Lage waren ein Foto zu machen, aber damit ihr euch vorstellen könnt wie groß das Tier war, gebe ich ein nicht übertriebenes Beispiel. Es war, als wenn man sich Myliu mit riesigen Flügeln vorstellt. Also zumindest der Rumpf des Vogels war schon so groß wie der Körper unseres Hundes. Wahnsinn, das werden wir sicher nicht so schnell vergessen.“


Nach unserem deliziösen Frühstück welches natürlich aus Couscous und Tomatensauce bestand packten wir mal wieder das Zelt ein und es ging ca. 3km und 500hm hinauf Richtung Nido de Condores. Der kleine Pfad zog sich entlang eines riesigen Schotter- und Geröllhangs den Berg hinauf. Für die, die sich Fragen wie schnell wir eigentlich den Berg hinauf peitschten, es war ungefähr so, als würde sich ein 80-jähriger Kettenraucher zum sonntäglichen Gottesdienst quälen, so zusagen in Zeitlupe und bei zu schneller Bewegung führte dies zu keuchenden Pausen. Das Motto war deshalb „slow but steady“. Auf der Hälfte machten wir ein Päuschen um einen unserer leckeren Riegel und ein paar Erdnüsse zu inhalieren. Im Lager angekommen entschieden wir uns wieder in der Nähe von Grajales Expeditions zu campen und schlugen dort unser Zelt auf. Dort trafen wir auch wieder die schnarchende Norwegerin aus dem Basecamp und das englisch-argentinische Pärchen, welches in Thailand wohnt.  Die Höhe und das schlechte Wetter, welches am Nachmittag hereinbrach, machte das Zelt aufbauen zum Kraftakt. 

Nachdem die Hütte aufgebaut war, haben wir uns in dicken Klamotten auf die Suche nach dem bekannten Wasserloch gemacht.  Nach gefühlt einer Ewigkeit fanden wir es doch noch und nachdem wir ein Loch hineingeschlagen hatten, füllten wir unsere Behältnisse mit dem angenehmen 3°C kalten Wasser. Wir entschieden uns schon zeitig DAS leckere Abendessen zu kochen, mussten aber feststellen, dass es heute beschissener schmeckte als an den anderen Tagen. Es lag wohl entweder am tollen Wasser oder an der Höhe die unseren Geschmacksnerven so langsam zu schaffen machte.  Wir kuschelten uns ordentlich in die dicken Schlafsäcke und hofften auf gutes Wetter für den Folgetag.



Tag 7 – geschrieben von Fabian

Von Nido de Condores nach Colera


Starthöhe: 5550m

Zielhöhe: 5970m

Distanz: 1,5km


Der siebte Tag startete zunächst recht zurückhaltend, zumindest für mich, da mir das erste Mal die dünne Luft zu schaffen machte. Ich war etwas schlapp und mein Magen fühlte sich nicht perfekt an. Hier auf einer Höhe von etwa 5550m war die letzte Chance auf zusätzliche Wetter- oder Akklimatisierungstage. Weiter oben gibt es nur noch ein zusätzliches Hochlager und dann den Summit. Es galt also den Wetterbericht zu beobachten und in sich zu hören. „Sind wir wirklich fit für die nächsten zwei Tage...?“ „Können wir den Summit erreichen?“

Der Wetterbericht sah nicht perfekt, aber auch nicht ganz schlecht aus.

Die nächsten zwei Tage sollten windiger werden, dafür aber keine Wolken. Die darauffolgenden Tage sollte der Wind wieder weniger werden, dafür nachmittags aber bewölkt.

Sowohl Wind mit 40km/h, als auch Wolken bringen Kälte und somit war die Entscheidung nicht leicht zu treffen. Der Weg zum nächsten Camp namens Colera war nicht weit, so konnte wir die Entscheidung sogar noch am Mittag treffen, als es meinem Magen nach einer Suppe und reichlich trinken wieder besser ging. Nachmittags stiegen wir dann etwa 2 Stunden lang auf zum Camp 3, Colera. Hier mussten wir nun noch zusätzlich zu dem üblichen Zeltaufbau, Schlafplätze herrichten und Essen kochen auch noch Schnee schmelzen um genug Wasser für den folgenden, wichtigsten Tag zu haben. In der folgenden kalten und auch kurzen Nacht war wenig Zeit für Erholung, da bereits vor Sonnenaufgang der Wecker klingeln sollte.

Ach übrigens, an diesem Abend schmeckte uns unser Abendessen noch weniger als in Nido.... Reis mit Tomatensoße, wir konnten es nicht mehr sehen und aßen jeder nur ein paar Löffel.

Lag es daran, dass wir es zu häufig gegessen hatten, an der Höhe, oder an dem geschmolzenen Schnee, welcher nicht besonders gut schmeckte? „Ach egal, morgen sollte Summitday sein und dann geht’s ziemlich schnell runter und gibt wieder leckeres Essen“, so ermunterte ich mich.


Tag 8 – geschrieben von Jendrik

SUMMITDAY!


Starthöhe: 5970m

Zielhöhe: 6962m

Distanz: 3km


...Scheiße! Rief ich zu Fabian "Wir haben verschlafen!" Es ist 10Uhr!...  Ich schrak auf und war erleichtert als es noch dunkel war und ich feststellte, dass ich nur schlecht geträumt hatte und nach einem kurzen Blick auf die Uhr sah, dass es Gott sei Dank erst halb 5 war. Ich döste noch ein wenig und hörte schon die ersten Stimmen um uns herum. Ich war sehr erleichtert als ich um halb 6 den Wecker klingeln hörte. Die meisten Bergsteiger sind übrigens zwischen 5 und halb 6 losgezogen, was mich zu Beginn etwas nervös machte, da wir ja erst später aufstehen wollten. Ich versuchte Fabian, der den Wecker gar nicht erst hörte, weil er so tief in seinem Schlafsack versunken war, zu mobilisieren und zog mich dann schon mal an um überhaupt zum pinkeln rausgehen zu können. Ich möchte hier noch erwähnen, dass es für mich mit Abstand das Anstrengendste war, mich morgens auf 6000m Höhe zu erleichtern. Wir sind wieder beim 80-jährigen Kettenraucher, denn ich verlor nach dem Pinkeln durch die Erleichterung die Kraft in meinen Beinen und musste mich prompt erstmal hinsetzen. Dann mussten wir feststellen, dass unsere Trinkblasen zum Teil und die Trinkschläuche komplett eingefroren waren.  Das war blöd, denn nun hatten wir nur das Wasser in den Thermosflaschen und das war nicht viel.  Unser Frühstück bestand aus einem Erdnussriegel für jeden und einer Tasse Tee.  Wir starteten um 6:40 Uhr und gingen im Schatten der Berge und voller Vorfreude langsam los.  Es war arschkalt und ich bekam schon beim Frühstück kalte Hände.  Diese wurden leider auch nicht während der ersten Meter warm und wir machten schon nach kurzer Zeit Pause, um mir ein Paar Wärmepads in die Handschuhe zu schieben. 

Der Sonnenaufgang war schon im vollen Gange, aber leider wanderten wir auf der Schattenseite und es blieb deshalb weiter sehr kalt und der Kreislauf wollte durch die schleichende Bewegung auch nicht so richtig hochfahren.  Dies wirkte sich schon bald auf unsere Füße aus und wir stoppten, um ein wenig wärmende Gymnastik für die Füße zu betreiben.  Der Pfad zog sich zu Beginn erst im Zick Zack den Berg hinauf und bald kamen wir an einer halb zerstörten Schutzhütte vorbei. Dort trafen wir die ersten anderen Bergsteiger.  Wir zogen nach kurzer Pause, um nicht wieder kalt zu werden, weiter und erreichten bald die Traverse.  Immer noch auf der Schattenseite und nun mit ordentlich Wind schritten wir langsam weiter.  Ungefähr auf Hälfte der Traverse kamen wir an einen Felsen, der wie ein Finger geformt war und suchten dort Windschutz. Die letzte Chance um auf der Traverse noch einmal Kraft zu tanken. Nach wiederum kurzer Pause mit Gel und Riegel setzten wir unseren Gang fort und kamen nach einer gefühlten Ewigkeit am Beginn der Canaleta an. Unterwegs trafen wir noch einen Guide und einen daneben liegenden Bergsteiger, der nicht mehr so richtig konnte und irgendwie unterzuckert und leicht benommen wirkte. Am Fuße der Canaleta machten schon einige Pause und wir gesellten uns zu ihnen um uns auch ein wenig mit Riegeln und Gels vollzustopfen.  Der Gipfel war in Sichtweite, nun nur noch das unwegsame steile Stück 300m hinauf und es wäre geschafft.

Wir entschieden uns noch die dritte Hose anzuziehen, denn der Wind war immer noch so eisig, dass ich doch noch Angst vor Frostbeulen am Allerwertesten bekam.  Somit quälten wir uns hinauf vorbei an einigen wenigen Mitstreitern und erreichten dann schließlich gegen Mittag erleichtert und erschöpft den Gipfel des Aconcaguas. Dort angekommen war der erste Eindruck schon ein wenig überwältigend.  Nun standen wir tatsächlich auf dem höchsten Berg Amerikas. 6962m hoch. Krass. Ich kann selber nur sagen, dass ich sehr erleichtert und überwältigt zugleich war.  Man konnte einige der Lager von hier oben gut erkennen und die Aussicht auf die steile Südwand war einfach unglaublich. Der Wind war nur in leichten Böen zu spüren, dann aber doch kalt und die Höhe… irgendwie spürten wir den wenigen Sauerstoff in dem Moment kaum. Klar, der Aufstieg war anstrengend und Fabian hatte etwas mehr mit der dünnen Luft zu kämpfen als ich, aber wir hatten es geschafft und hier oben war es einfach nur wunderbar. Man sah nur unbekannte Berge um sich herum, aber die Sichtweite war atemberaubend und man konnte soweit das Auge reicht in die Ferne sehen. Kaum Wolken und auch der Rauch aus Australien, welcher ein paar Tage zuvor noch an den Bergen heftete, war heute weniger zu sehen. Das blau des Himmels, irgendwie anders und der Horizont schon leicht gewölbt. Wahnsinn. Wir machten eine kurze Pause und aßen etwas.  Um uns herum machten ein paar wenige Leute Fotos von einander und erfreuten sich an der Besteigung des Berges.  Interessant und lustig zugleich wurde es dann als ein paar Ü60 Trailrunner in leichter Bekleidung den Gipfel erklommen. Diese erfreuten sich ebenfalls bei jedem weiteren Mitglied ihrer Truppe, welches den Gipfel erreichte und umarmten dieses herzhaft. Nach ca. 15min. waren wir dann nur noch allein mit zwei Israelis auf dem Gipfelplato und wir machten gegenseitig ein paar Fotos. 

Nach der Fotosession begannen wir warmen Körpers und voller Freude den Abstieg.  Wir hielten unterwegs kurz am Fuße der Canaleta, wo wir die zuvor leider immer noch gefrorenen Trinkblasen deponiert hatten.  Da wir Aufgrund unserer Trail-Erfahrungen sehr trittsicher sind, kamen wir gut voran und stiegen schnell wieder in Richtung Colera ab.  Wir überlegten uns während des Abstiegs noch, ob wir nicht direkt bis Nido de Condores durchmarschieren, warfen diese Idee aber nach reichlicher Überlegung über den Haufen, weil wir heute kein Bock mehr hatten das Zelt ab- und wieder aufzubauen.  Am Zelt angekommen waren wir erleichtert und wollten nur noch schnell in unsere kuscheligen Schlafsäcke.  Auf Kochen hatten wir keine Lust mehr und der Appetit hielt sich auch in Grenzen. Wir schoben uns noch einen Riegel rein, schmolzen noch Schnee für ein warmes Süppchen und legten uns danach schlafen.

Tag 9 - geschrieben von Fabian

Von Colera nach Plaza de Mulas


Starthöhe: 5970m

Zielhöhe: 4360m

Distanz: 6km


„Wow, gestern war Summitday und wir haben es geschafft“, aber so richtig kann ich das noch nicht glauben. Ich habe einfach schlecht geschlafen und bin zu früh wach. Die Sonne geht gerade erst auf und es sind nach wie vor -6 Grad Celsius im Zelt. Die Innenwände sind mal wieder gefroren und Schlafsäcke leicht klamm von außen. Im Schlafsack ist es schön warm, weshalb ich mich nicht ansatzweise rausbewegen will, aber noch muss ich das auch nicht... gerade morgens müssen wir häufig früh raus, um zu pinkeln, aber da ich gestern so wenig getrunken habe, scheint es diesmal nicht so. Eine Stunde später ist es dann doch so, meine Blase meldet sich. Na gut, also irgendwie raus aus dem Schlafsack und rein in die Klamotten, Schuhe an und raus... wir sind immer noch auf fast 6000m und das macht sich bei jeder notwendigen Bewegung bemerkbar. Hier oben erledigt man am besten alles in Zeitlupe, zu schnell kommt man aus der Puste und dann wird mir auch meistens schwindelig. Ich erinnere mich an Pablos Worte: „You don’t want to be there longer as it is necessary!“ während ich gestern noch nicht genau verstand weshalb, ist es mir heute um so klarer. Pinkeln, Essen, Trinken, Schlafsack einpacken und Rucksack packen... all diese Sachen kamen mir noch nie so anstrengend vor wie hier. Wir wollen nur noch runter, runter in Bereiche, in denen es wieder mehr Sauerstoff zu atmen gibt.

Auf dem Weg zum Basecamp mussten wir noch kurz bei Nido de Cóndores halten um ein paar Klamotten, welche wir 2 Tage zuvor dort in einer Tüte liegengelassen hatten, wieder einzupacken.

Dann einen kurzen Snack auf einer Höhe von 5200m, wo auch schon deutlich mehr Sauerstoff in der Luft ist und unsere Laune schon viel besser war. Die nächsten 900hm bis zum Basecamp vergehen dann wie im Flug. Die ersten Ideen den Gipfel erneut zu besteigen kommen in meinen Kopf, vielleicht mit einer guten Akklimatisierung und dann innerhalb eines Tages rauf und runter, also vom Basecamp aus… naja, in ein paar Jahren vielleicht.

Zunächst mal klar werden im Kopf ;-)

Unten freuen wir uns über angenehme Temperaturen, eine kühle Cola, frischen Saft, Bier, einen leckeren Apfel und am meisten über eine Dusche, sowie ein Diner aus der Grajales Küche. Okay, das Diner bei Grajales wiederspricht unserem Alpinstil doch etwas, aber wir können einfach keine Tomatensoße mehr sehen, riechen oder schmecken, also gönnen wir uns eine Belohnung.

Bei reichlich Tee und netten Gesprächen lassen wir den Abend langsam ausklingen und freuen uns bereits auf Karo, Myliu, den Bulli, sowie auf viel frisches Obst und Gemüse.


Tag 10 - geschrieben von Jendrik

Von Plaza de Mulas nach Horcones


Starthöhe: 4360m

Zielhöhe: 2950m

Distanz: 25km


Der letzte Tag brach an.

Endlich geht's wieder zurück in die Zivilisation. Wir sehnten uns nach leckerem Essen und einem kalten Bier. Der Wecker klingelte schon am frühen Morgen und wir trödelten nicht lange rum und genossen ein letztes Mal das leckere Frühstück bestehend aus… natürlich Couscous und Tomatensauce. Nachdem wir das Zelt und die anderen Klamotten wieder verstaut hatten, füllten wir noch unsere Wasserbehältnisse auf und wollten dann eigentlich nur noch unsere Rechnung vom Vorabend bei der Camp Chefin begleichen. Doch wie hätte es auch anders sein können, sie schlief noch tief und fest und somit begannen wir zu warten. Wir unterhielten uns währenddessen noch mit einem waschechten nepalesischen Guide, bis dann endlich ein anderer Mitarbeiter, die immer noch dösende Chefin nach der Rechnung fragte und wir den Betrag beglichen. Es folgte eine herzhafte Verabschiedung aller Anwesenden und wir machten uns auf den Weg ins Tal und zum Bulli zurück. Wir gingen so schnell es das Terrain und die Füße hergaben Richtung Confluencia und machten auf halber Strecke Pause um das Lunch Paket, welches wir im Basecamp zum Abschluss geschenkt bekommen hatten, zu verspeisen. Es bestand aus zwei Plätzchen, einem Apfel, einer Orange und einem halben Dutzend Eis-Bonbons. Na toll dachte ich, die Bonbons hätte ich oben am Berg gebrauchen können, bei der trockenen Luft wäre das ein oder andere Bonbon Balsam für die Atemwege gewesen. An diesem Tag trafen wir nicht viele Leute, nur eine Gruppe Schweizer überholten wir und schritten nach einer kurzen Konversation wieder voran. Generell haben wir auf dem Weg ins Tal nicht sehr viel geredet, da man gerade auf diesen 26km kontinuierlich auf den Boden schauen muss um nicht über irgendwelche kleinen Steine zu stolpern. Ich war doch sehr erleichtert als wir Confluencia passierten und ich wusste, dass es ab dort nur noch ca. 6km bis zum Parkplatz sind. Die Füße fingen durch das permanente abwärts gehen und dem zusätzlichen Gewicht an zu brennen und ich war froh, als wir die Brücke, auf der Brad Pitt auch schon damals im Film "Sieben Jahre in Tibet" stand, erreichten und gefasst Richtung Gipfel schauen konnte.

Eine krasse Landschaft, so lebensfeindlich und trotzdem oder gerade deswegen so anziehend, dass man sie „erobern“ will. Von hier waren es dann nur noch ein guter Kilometer bis zum Abholpunkt und wir waren beide erleichtert als wir die letzte Kuppe überschritten und zufällig im gleichen Zeitpunkt der Bulli in der Ferne auftauchte. Erleichtert ließen wir uns am Bulli nieder, zogen als aller erstes unsere heiß geliebten Flip Flops an und genossen dank Karo ein paar leckere Medilunas.


2 Wochen später unser Fazit


Gerade am Summitday kam uns die Besteigung doch recht simpel vor. Mittlerweile haben wir aber genug andere Leute getroffen, die es leider nicht bis zum Gipfel geschafft haben. So scheint es doch viele negative Einflussfakturen zu geben. Vor allem die Kälte und die extreme Höhe scheinen die Leute immer wieder zum Abstieg zu zwingen. So trafen wir zum Beispiel ein englisches Paar, er hatte trotz drei zusätzlichen Tagen zur Akklimatisierung einfach nicht mehr genug Kraft in der Höhe und sie hatte selbst mit 3 Paar Handschuhen und Wärmepads immer kalte Finger.

Wir sind verdammt froh, dass wir von solchen „Problemen“ verschont blieben.

Einzig verbesserungswürdig war wohl die Auswahl unserer sehr eintönigen Lebensmittel, da gerade ein leckeres Frühstück oder Abendessen eine enorme Wirkung auf die mentale und physische Stärke hat.

Wir sind besonders stolz den höchsten Berg außerhalb des Himalayas ohne Maultiere oder Träger, sowie Guide bestiegen zu haben, wollen aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass wir sehr gute äußere Bedingungen und viele gute Kontakte zur Vorbereitung nutzen konnten.

Sowohl unsere Akklimatiserung am Cordon el Plata, wie auch das sinnvoll ausgewählte Equipment hat uns dabei sicher geholfen.

Und genau an diesem Punkt wollen wir uns bei einigen Freunden bedanken. Zunächst gilt unser Dank unseren Frauen, ohne deren Unterstützung es wohl kaum möglich gewesen wäre. Weiter wollen wir uns vor allem bei unserem besten Freund aus Mendoza bedanken. Muchas Gracias Pablo – You helped us really a lot. Climbing Penitentes with you was a pleasure. Planning the route and especially the equipment for Aconcagua was a big benefit and of course don’t forget about el Plata, which was your idea! Also a big thank you to Fernando Grajales and your team. Weiterer Dank gilt dem Team von Zugvogel in Detmold, ihr habt uns und vor allem Jendrik super beraten.

Ob wir die Besteigung des Aconcaguas empfehlen können?

Wer nach einer schönen und vor allem abwechslungsreichen Landschaft sucht, ist hier sicher fehl am Platz und sollte die Alpen besuchen. Die Steppe und die Anden hier sind doch sehr eintönig, aber durch Hitze und Wind sehr herausfordernd. Letztendlich ist der Aconcagua ein großer Steinehaufen, welcher zwar von einer Seite relativ „leicht“ über die Normalroute zu erklimmen ist, aber genauso auch schwierige Routen wie über den Polengletscher oder die imposante Südwand bietet. Wie Jendrik oben schon geschrieben hat: Eine krasse Landschaft, so lebensfeindlich und trotzdem oder gerade deswegen so anziehend, dass man sie „erobern“ will.


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