• Karo

Estancia Haberton

80 km von Ushuaia entfernt steht die älteste Estancia von Feuerland. Estancia Haberton.

Hier lebten als erste Weiße auf der Insel Thomas Bridges mit seiner Frau und Tochter.


Thomas Bridges hat einen sehr interessanten Lebenslauf, den ich gerne genauer ausführen möchte.

Der Geburtsort und das genauere Geburtsdatum in 1842 kann nicht ermittelt werden, da Thomas als Baby auf einer Brücke in England gefunden wurde. Er wurde 1844 von Rev. G. P. Despard adoptiert und bekam den Namen Thomas, da auf seinem Shirt ein T zu lesen war, und Bridges, da er auf einer Brücke gefunden wurde. Mit 13 ist er mit der Familie Despard im Auftrag der Missionarsarbeit auf die Falklandinseln gereist. Auf der Insel lernte er die Yahgan Sprache. Mit 20 ist er das erste Mal nach Tierra del Fuego gereist und konnte sich mit den Einheimischen in deren Sprache unterhalten. 4 Jahre später hat er Ushuaia als einen weiteren Ort für die Missionarsarbeit gewählt. Mit 25 ist er wieder zurück nach England. Wurde dort zum Pastor und hat seine Frau Mary Ann von Haberton geheiratet.

1870 hat er sich dazu entschlossen mit seiner Familie in Ushuaia zu bleiben.

Thomas hat die Shelknam und Yamana Indianer Kultur und Sprache erforscht und übersetzt. Durch ihn entstanden die ersten Wörterbücher für die beiden Indianerstämme.

Als Dank für seine unschätzbare Arbeit wurde ihm und seiner Familie am 28 September 1886 von dem Staat Land geschenkt. 1887 hat Thomas angefangen die Estancia auf Feuerland zu bauen. Bemerkenswert ist, dass Thomas auf den Rat der Indianer gehört hat und die Estancia Wind geschützt gebaut hat. Eigentlich wollte er diese auf einen Hügel bauen, um einen besseren Ausblick auf den Beagle Kanal und die Berge zu haben. Noch bemerkenswerter ist, dass das Familienhaus erst in England in Haberton gebaut wurde, dann nummeriert in Einzelteile auf ein Schiff verladen wurde, um dann auf Feuerland aufgebaut zu werden. Blöd war, dass die tragenden Materialien auf dem Boden des Schiffs verladen waren und das Haus somit nicht nach dem eigentlichen numerischen Plan aufgebaut wurde. Das Haus steht da trotzdem und bietet der Familie seit 133 Jahren ein Heim. Thomas Bridges hat mit seiner Frau 6 Kinder großgezogen, Missionars Arbeit betrieben und die Estancia aufgebaut, bis er 1898 mit 56 Jahren bei einem Materialien Transport von Buenos Aires verstorben ist.

Die Estancia wird heute noch von Bridgets Nachfahren in der 5 Generation weitergeführt. Diese wird saisonal betrieben und ist teilweise mit Studenten oder auch Angestellten als Hilfsarbeiter ausgestattet.

Auf der Estancia ist auch ein Museum mit der größten Tier Knochensammlung, hauptsächlich Meerestiere, in Feuerland zu finden. Das Museum hat die Biologin Natalie Prosser Godall aufgebaut, die auch zu der Bridget Familie gehörte. Hier schlägt das Herz jeden Biologen höher, wir wurden auch in die hinteren Räume geführt, wo die Sammlung kein Ende nahm. Skelette von Orkas, Walen, Pinguinen und Vögeln, im Vergleich daneben liegen auch welche von Hunden, Katzen und Biebern. 4.000 Skelette sind hier erforscht worden. Eine Biologiestudentin zeigte uns auch das Häuschen, in dem die Knochen sauber gemacht werden. Es steht weiter abseits, da es einen ziemlich unangenehmen Geruch mit sich bringt. Ein seltsamer Ort aber auch total spannend zu sehen. Wohl habe ich mich da nicht gefühlt und war froh als wir wieder draußen waren. Die Tiere, wenn Sie tot an den argentinischen Küsten aufgefunden werden, werden hier hin transportiert, um das Tier und die Knochen genauer zu erforschen.

Nachdem wir das Museum besucht haben fuhren wir weiter auf der Estancia. Die Estancia Haberton ist wie ein kleines Dorf, Häuser für die Gastarbeiter, die Familie, ein Bauernhof, Gemüsebeete, ein Restaurant, gemütliches Teehaus und Ausstellungsscheunen. An der Führung zu der Estancia wollten wir auch noch teilnehmen. Bis zu der Führung hatten wir noch eine Stunde zu überbrücken. Diese verbrachten wir gemütlich im Teehaus. Das Teehaus bietet neben leckerem Kuchen, Kaffee und Tee noch eine kleine Ausstellung von den Alltags Gegenständen aus der Historie der Familie und die Familiengeschichte. Hier haben wir erst ein sehr nettes Gespräch mit einer Tourismusstudentin, die dort arbeitet, gehabt und dann auch noch mit der Abby Goodall, die nun in der 5 Generation die Estancia betreibt. Sie erzählte uns, dass sie seit 10 Jahren keinen Urlaub mehr hatte. Die Estancia bringt sehr viel Arbeit mit sich. In der Sommersaison, die seit Oktober gestartet ist, hat sie viel Unterstützung durch die Studenten und Hilfsarbeiter. Die Winterzeit ist schwierig, da man maximal mit 5 Personen auf der Estancia ist, in manchen Winter nur zu zweit oder gar alleine. Man muss sich versorgen und man hat auch jede Menge Zeit etwas zu lernen, wie sie berichtet. Schwierig ist es auch monatelang mit niemandem zu reden und immer nur dieselben Personen um sich herum zu haben. Manchmal ist die Straße durch zu viel Schnee wochenlang gesperrt. Ach ja, lange Zeit gab es keine Straße, und die Estancia war nur per Schiff erreichbar. Zwei Winter hat sie das jetzt mitgemacht. Vorher ist sie zur Winterzeit nach Ushuaia gegangen. Sowie auch zu der Zeit als sie die Kinder mit ihrem Mann großzog. Um eine Schulbildung garantieren zu können, lebte die junge Familie dann in Ushuaia und ist nur zu den Sommerferien auf die Estancia gefahren. Ihre Kinder sind zurzeit auf der Welt verstreut. Einer studiert in Buenos Aires, Mechatronik, er hat auch auf der Estancia Solarpanele, Kameras und einen Anschluss zum Internet installiert. Eigentlich, wie sie sagte, will er gerne bei der NASA arbeiten, aber Sie hat die Hoffnung, dass dieser Sohn die Estancia weiterführt. Er könne die Satelliten auch hier aufbauen, genug Platz ist hier ja. Der zweite Sohn ist Produktdesigner und umsegelt momentan die Welt. Eine Tochter hat sie auch, nur leider fällt uns nicht mehr ein, was sie macht. Auf jeden Fall Studieren, nur wo und was, wissen wir nicht mehr.

Ein sehr spannendes und interessantes Gespräch, wie wir finden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass es ja in Deutschland schon schwierig ist in einer Generation in ein und demselben Haus zu leben.

Die Führung durch die Estancia startete im Park, hier zeigte uns auch wieder eine Tourismusstudentin voller Leidenschaft die verschiedenen Baum- und Pflanzenarten. Im Park ist auch der Familienfriedhof zu finden, hier liegt auch der Hund der Familie begraben. Im Park konnten wir auch den Originalen nachempfundene Tipis der Indianer sehen. In zwei verschiedenen Größen, je nachdem wie hoch die Bäume oder Büsche für den Schutz im Wald waren.

Weiter ging es in die Tischlerei, hier wurden Boote mit Hilfe von Ellenbogen Holz gebaut. Bäume wurden angeschnitten, damit sie umfallen, um dann weiter in einer Ellenbogenform zu wachsen. Wenn der Baum soweit war, wurde dieser gefällt und das Ellenbogenholz für die Boote bearbeitet. Die Idee den Baum anzuschneiden, stammt übrigens von einem Indianer.

Die Fenster in der Tischlerei wurden so eingebaut, dass auch bei tiefstehender Sonne das gesamte Licht auf die Werkbank scheint. Im Bootshaus steht ein weiteres Boot, welches zum Transport von Materialien diente. Die größte Scheune diente ehemalig zum Scheren der Schafe. Bis 1994 wurden hier auch Schafe gehalten und geschoren. Das mit den Schafen war ein großes Geschäft für die Familie, Arbeiter aus Chile kamen, um die Schafe zu scheren, die Wolle auszusortieren und zu pressen. Teilweise hat die Familie Schafe auf die Insel im Beagle Kanal zum Grasen ausgesetzt, um die Insel während des Chile-Argentinien-Konflikts für sich zu beanspruchen. Das man durch Aussetzten der Schafe Land für sich beanspruchen kann, ist uns irgendwie schleierhaft. Durch den Chile-Argentinien Konflikt in den 70er, sind die chilenischen Arbeiter wieder zurück nach Chile und die Familie musste Arbeiter aus Uruguay engagieren, um die Wolle ordentlich scheren zu lassen. Irgendwann tauchten wilde Hunde auf der Insel auf und rissen die Schafe, zusätzlich wurden die Schafe auch geklaut und das in so großen Mengen, dass das Halten der Schafe unrentabel wurde.

Zurzeit lebt die Estancia von dem Tourismus und dem Gemüseanbau.

Leider waren wir zu spät, im dortigen Restaurant hätten wir gerne das Gemüse aus dem Haberton Garten gegessen.

Ach ja, als Abschluss der Tour wurde uns noch die 131 Jahre alte Toilette gezeigt. Wie wir finden, zu seiner Zeit eine hochmoderne und durchaus luxuriöse Toilette.

Wir durften mit einer Genehmigung auf dem Land der Estancia Haberton bleiben und übernachten. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen zwei Flüsse weiter. Wahnsinn wieviel Land diese Familie besitzt.


Puerto Almanza

Auf dem Weg zur Estancia haben wir uns mal wieder verfahren. Was wiederum sehr erstaunlich ist, da es nur eine Straße gibt. Fabian hat die Theorie aufgestellt: Je weniger Straßen, desto höher die Gefahr des Verfahrens.

Wie dem auch sei, das Verfahren hat sich gelohnt, wir hatten einen wunderschönen Blick auf den Beagle Kanal und zusätzlich haben wir auch noch den südlichsten Ort Chiles gesehen.

Puerto Almanza macht als das südlichste Dorf Argentiniens einen sehr idyllischen Eindruck. Es sind lediglich 10 Häuser, ein Hostel, ein Restaurant und eine Schule zu finden. Wie wir dann später auf der Estancia Haberton erfahren haben, für 4 Schüler.

Man sagt, dass der kleine Ort Puerto Almanza wächst und in Zukunft den Titel von Ushuaia als die südlichste Stadt der Welt übernehmen wird. Nachdem wir den Ort gesehen haben, glauben wir, dass das aber noch ein paar Jahrhunderte dauern wird.

Eine wunderschöne Fotokulisse bietet der Ort aber allemal.


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