• Karo

Frau und Hund allein in Mendoza

Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Nun ist schon so viel Zeit verstrichen, erst passierte nicht so viel und dann doch jede Menge.

In diesem Beitrag werde ich die 1,5 Monate hier zusammenfassen und Fabian wird später die Expedition am Aconcagua genauer beschreiben.


Angekommen sind wir Mitte Dezember, haben Weihnachten in Vallecitos und Mendoza verbracht. Wir haben einen schönen Stellplatz am Fluss gefunden und es uns dort gemütlich und weihnachtlich gemacht. Zur Feier des Tages gab es einen leckeren Kartoffelsalat nach dem Rezept von Fabians Papa und gefüllte Paprika. Dazu einen leckeren Rotwein, Malbec, selbstverständlich aus Mendoza.


Leider hat Fabian den Wein nicht so gut vertragen und lag den ersten Weihnachtstag flach. Am zweiten Weihnachtstag haben wir eine Weinbodega besucht. Terra Altas, dort haben wir einen Malbeck-Wein in verschiedenen Reifestadien probiert. Von gerade frisch zum Gehren abgefüllt bis hin zu 15 Jahre in der Flasche. Hat mir sehr gefallen! Fabian eher weniger, da er immer noch mit Magenproblemen zu kämpfen hatte.

Auf Empfehlung von Freunden haben wir zu Silvester einen kleinen Ausflug nach Chile nach Quintai gemacht.

Ein schöner Strandabschnitt, zu unserer Verwunderung sehr ruhig und touristenarm. Mag vielleicht auch an den Waldbränden liegen, die vor Wochen hier gewütet haben. Traurig das zu sehen und erst gar nicht auszumahlen wie es derzeit in Australien aussehen muss.

Nach Chile mussten wir ja sowieso, um Jendrik abzuholen. Endlich ist unser langersehnter Besuch da! Wobei ich gar nicht so viel Grund zur Freude habe, denn letztendlich werde ich nun, da Jendrik da ist, auch ganz viel Zeit alleine verbringen.

Alles dreht sich um einen Berg! Der Aconcagua. Die Männer planen die Expedition im Alpin Style und natürlich muss das ordentlich durchdacht und geprobt werden.

Zudem ist der Aconcagua mit 6961m Höhe der höchste Berg außerhalb des Himalayas und auch der zweithöchste Berg der 7 Summits.

Durch unseren Freund Pablo bekommen die Männer Informationen aus erster Hand. Pablo hilft ihnen wirklich sehr, auch bei der Routenplanung. Unser Freund Pablo war selber schon 8mal auf dem Aconcagua und zudem noch auf dem Everest und weiß somit wovon er spricht.

Aber dazu wird Fabian noch mal genauer und ausführlicher berichten.

Nach dem wir Jendrik am Flughafen abgeholt haben, verbrachten wir eine Nacht in Chile, genauer Los Andes. Am nächsten Morgen wollten wir Jendrik die beeindruckende Route über die Anden zeigen. Wir haben uns entschieden den alten Weg über den Christo Redentor Pass zu fahren. Die normale Straße durch den Tunnel ist schon auf einer Höhe von 3100m, aber die alte Schotterstraße zieht sich bis auf den 3800m hohen Kamm und ist somit wirklich sehenswert. Traumhaft diese Kulisse. Im Prinzip sieht es alles sehr bröckelig und sandig aus. Aber erstaunlich wie ein paar Steine und Sandkörner eine Kulisse wie diese formen können.

Ebenfalls überraschend ist das nächste Dorf auf einer Höhe von 2700m Höhe, Puente del Inca genannt. Ein geschichtsträchtiger Ort. Als erste Menschen, die die Anden überquerten, waren hier die Inkas und auch Darwin nahm diesen Weg um über die Anden zu gelangen.

Die von der Natur geformte Brücke diente der Überquerung des Flusses. Später, Anfang des 19. Jahrhunderts, haben Engländer hier ein Hotel mit Thermalbädern gebaut. Leider wurde das Hotel bereits 20 Jahre später von einer Lawine zerstört und seit 2005 sind aufgrund von Einsturzgefahr auch die an der Brücke liegenden Thermalbäder nicht mehr zu betreten.

Im Hintergrund auf unserem Foto sieht man noch eine Kirche, welche gleichzeitig mit dem Hotel verschüttet wurde, jedoch durch Spendengelder wieder aufgebaut werden konnte.



Unser erster ordentlicher Anhaltspunkt: Uspallata – aber bloß nicht am Informationszentrum. Pablo hatte uns vor Weihnachten einen ganz netten Stellplatz am Fluss gezeigt. Dort konnten die Männer erstmal in Ruhe ihr gesamtes Equipment, sortieren, prüfen und packen.

Denn in ein paar Tagen sollte es auch schon auf den Trainingsberg El Plata, bei Vallecitos gehen. Höhentraining und Equipmentcheck. Aber vorher noch mal kurz nach Mendoza, um Einkäufe zu tätigen und noch das eine oder andere Organisatorische zu erledigen.

In Vallecitos angekommen, am gleichen Stellplatz wo wir auch Weihnachten verbracht haben, wurden die Rucksäcke mit Essen gefüllt und noch entspannt Phase 10 gespielt.

Am nächsten Morgen wanderten die Männer los. Und für mich hieß es: 5 Tage alleine mit Myliu. Ohne Internet und ohne Empfang. Quasi abgeschnitten von der Welt.

Und ich muss sagen, es hat mir sehr gut gefallen! Nicht erreichbar zu sein, nicht das Bedürfnis zu haben Facebook oder Instagram zu checken. Sich einfach mit sich selbst beschäftigen. Myliu und ich haben viel gelesen, Spanisch gelernt, das eine oder andere vegane Rezept ausprobiert, mit der Kamera und Drohne fotografiert und gefilmt, ganz viel Tagebuch geschrieben, den Bulli gründlich sauber gemacht, mal einen Film geguckt oder in der Sonne am Fluss gebadet. Herrlich.

Ich hatte keine Angst, ich habe ja einen Wachhund dabei. Sobald sich jemand dem Bulli nähert, schlägt er Alarm. Und wenn er bellt hört sich das schon ganz schön bedrohlich an! Dann kommt keiner mehr freiwillig zu mir, sondert redet mit einem 5m Abstand zu mir.

Grundsätzlich kamen an diesen Ort, Argentinier, die den Tag am Fluss ausklingen lassen wollten. Eine argentinische Familie kam fast täglich und erkundete sich regelmäßig nach mir. Sehr freundlich!

Die 5 Tage vergingen wie im Flug und ich habe mich nicht vom Fleck bewegt. Und am Samstagmorgen als ich meine Männer erwartete, kam Roland vorbei. Ein Deutscher. Das war eine sehr schöne Überraschung, eigentlich wollte er den Berg mit seinem Rad hoch, aber er leistete mir Gesellschaft bevor er sich davon machte. Kurzdarauf kamen auch schon meine Männer, die Roland ebenfalls getroffen hatten!

Roland lebt mit seiner Frau eigentlich in Deutschland hat aber auch ganz lange in Argentinien gelebt und liebt es hier Urlaub zu machen.

Nach ihrer Trainingstour konnten die Beiden nun viel besser einschätzen was für Aconcagua notwendig ist und was weggelassen werden kann. Nachdem alles noch mal ordentlich durchgeplant wurde, ging es wieder nach Mendoza. Nun wird das Permit für den Aconcagua Park gekauft und die Männer können los.

Zwischenstopp für eine Nacht noch mal in Uspallata, von da aus fährt man ca. eine Stunde bis zum Eingang des Aconcagua Provincial Parc. Langsam stieg die Nervosität bei mir.

Nicht weil ich alleine sein muss, nein, sondern weil ich dann jetzt den Bulli fahren muss. Eigentlich stelle ich mich nicht an. Aber irgendwie fährt bei mir die Sorge dann doch immer wieder mit.

Es ist ja nicht nur ein Auto. Es ist unser Zuhause! Und ich soll es herumfahren, in einem Land wo die Verkehrsordnung nach 4 Monaten für mich immer noch nicht schlüssig ist! Rechts vor links existiert hier nur manchmal. Es gibt viele Einbahnstraßen und Kreisverkehre, grundsätzlich fährt einfach jeder. Ganz frei nach dem Motto, der „größere/stärkerer“ fährt zuerst.

Als wir zum Park gefahren sind, bin ich gefahren und ich fühlte mich so, als ob ich gleich eine Prüfung schreiben muss. Eine Prüfung, für die ich schon seit Monaten lerne. Ich war ziemlich nervös.

Jedoch sobald ich in Mendoza angekommen war, war die Aufregung vorbei und ich freute mich auf die kommenden Tage.

Was ich mir nicht alles vorgenommen habe in Mendoza. Ausführlichen Beitrag, Recherche und und und… aber ich hatte keine Zeit und bei der Hitze hält sich jegliche Motivation in Grenzen.

Hier ein Auszug meiner Gedanken kurz vorm Einschlafen:

22. Januar 2020

„So, jetzt ist die Schreiblust wieder da. Es ist fast Mitternacht angenehme 23 Grad Celsius und morgen klingelt der Wecker um 7:00.

Was ich mir nicht alles vorgenommen habe in Mendoza. Meine „to do Liste“ ist lang, und was ist? Ich bin froh, wenn ich den Tag rumbekomme.

Die Siesta kann ich komplett nachvollziehen. Bei 34 Grad ist man wie gelähmt. Jede Bewegung ist zu viel denn man bricht sofort in Schweiß aus! Im Schatten ist es erträglich und mit einem Pool auf dem Campingplatz auch auszuhalten. Aber meine to do Liste bleibt offen. Die eine oder andere Sache konnte ich dann doch abhaken, wie Spanisch lernen oder regelmäßige Übungen für mein Knie. Aber selbst das klappt nur, weil man freiwillig die Verpflichtung eingegangen ist. (Sprachschule und Termine beim Physio)

Die Zeit in Mendoza kann ich mir gut vertreiben. Ich habe Valentina kennen gelernt, die mir das argentinische Leben zeigt. Gleich am ersten Tag, nachdem ich meine Männer beim Aconcagua Park abgesetzt habe, wartete ein schöner Abend mit Valentina und ihrem Freund Nico auf mich.

Sie kam auch mal zu mir auf den Campingplatz, um mir etwas spanisch beizubringen. Und ein typisches argentinisches Picknick bis um 2 in der Nacht im Park von Mendoza haben wir auch gemacht.

Es ist hier normal, dass man unter der Woche bis in die Morgenstunden gemeinsam mit der Familie die Nacht im Park verbringt. Die Kinder toben und spielen herum und die Erwachsenen hören Musik und trinken Mate.

Valentina hat ein Jahr in Österreich studiert und freut sich, wenn ich deutsch mit ihr rede.

Am Wochenende hatte sie mich eingeladen, um mit ihren Freundinnen zum See zu fahren. Nach Porterillos. Das war ein sehr schöner Sonntag, ich habe mich sehr wohl in der Runde gefühlt und Myliu auch. Er freute sich, dass er auch im See schwimmen durfte. Seine Pfote wird besser, aber dennoch, wenn er am Tag dann doch etwas mehr gelaufen ist, humpelt er abends auf drei Pfoten.


Auf dem Campingplatz fühle ich mich sehr wohl, hab auch immer neue und freundliche Nachbarn. Es ist schön beisammen zu sitzen und sich über verschieden Abenteuer auszutauschen. So vergehen dann auch ganz schnell die Stunden. Die ersten Tage habe ich sehr viel mit der Familie telefoniert, schön von allen zu hören und mit allen in Ruhe zu sprechen.

Diese Woche ist volles Programm angesagt. Bis ca. 14:00 Uhr bin ich mit Myliu beim Spanisch Unterricht. Habe ich ein Glück, dass Myliu mit in die Schule darf! Die Professoren hier sind auch schwer von Myliu begeistert. Er zeigt sich in der Schule tatsächlich von seiner besten Seite und gehorcht mir aufs Wort! Am Nachmittag versuchen wir beide die Hitze zu ertragen und bewegen uns nicht viel. Um 18:30 Uhr mache ich mich auf den Weg zu der Physiotherapie, um mein Knie zu stärken. Myliu bleibt mit dem Bulli auf dem Campingplatz, meine Nachbarn sind informiert und sind da, wenn dann doch mal was sein sollte. Der Bulli steht offen, nur unser Mosquitonetz mache ich zu, hält die Fliegen und die Mücken raus und bietet zusätzlichen Sichtschutz. Wenn ich um 20:30 dann wieder da bin, gehe ich mit Myliu noch eine kleine Runde.

Von meinen Männern höre ich nicht viel, ich kann nur das Wetter checken und hoffen das alles nach Plan läuft. Das ist auch eine neue Erfahrung für mich. Da wir nun 24/7 gemeinsam auf 2qm leben ist es ganz seltsam seit 4 Tagen kein Lebenszeichen mehr zu bekommen. Nun bin ich schon seit 8 Tagen alleine. Ich weiß das alles gut ist. Aber natürlich mach ich mir trotzdem Sorgen:

Haben die beiden genug Wasser da?

Haben die beiden vielleicht doch mit der Höhenkrankheit zu kämpfen?

Haben die beiden es denn auch warm? (Da oben kann es bis zu -20 Grad werden)

Haben die beiden genug Essen dabei?

Ist das Equipment gut?

Hoffentlich ist kein starker Wind!

… nur ein kleiner Auszug meiner Gedanken.

Noch versuche ich mich zu entspannen und hoffe das ich spätestens am Donnerstag ein Lebenszeichen bekomme.

Heute hätte Summit-Day sein sollen, aber laut Wetterbericht zu viel Wind.“


Und wer hätte es gedacht, gleich am nächsten Tag erreichte mich die Nachricht, die beiden sind wieder im Base Camp und haben den Berg erfolgreich bestiegen! Phuu was für eine Erleichterung. Gleich am Donnerstag nach dem Spanischunterricht habe ich die beiden aus dem Aconcagua Park abgeholt.

Als ob wir uns abgesprochen hätten, gerade als ich auf den Parkplatz drauffuhr, kamen sie mir schon entgegen! Ich hatte noch nicht mal Zeit die Kamera raus zu holen. Die beiden sahen ziemlich erschöpft und glücklich zugleich aus.

Es ging direkt wieder zurück nach Mendoza auf den Campingplatz. Die nächsten Tage verliefen ziemlich typisch für einen Urlaub. Man macht nichts Produktives. Man entspannt den ganzen Tag, die Jungs haben Stück für Stück die Rucksäcke leergeräumt. Wir sind in die Stadt gefahren, um ein wenig über den Plaza Indenpendencia zu bummeln und abends sind wir dann typisch argentinisch essen gegangen. Jendrik äußerte den Wunsch ein typisches Assado zu erleben, so besuchten wir das Restaurant Patio de Jesus Maria. Dort gab es neben der großen Auswahl an Fleisch, aber auch genug Alternativen für Vegetarier/Veganer. Nach einem erfolgreichen Essen sind wir noch durch ein paar Bars gezogen und dann wieder zurück auf den Campingplatz.

Und was man halt in seinem Urlaub auch noch so macht, ist den Zylinderkopf auseinanderschrauben, in einer Werkstatt prüfen lassen und dann abgeschliffen wieder zusammenzusetzten. Das Ganze machen wir hier bei Gaston, einer Familie aus Mendoza die Reisende herzlichst empfängt. Hier waren wir auch schon mal vor Weihnachten. Myliu hat hier Bekanntschaft mit Hühnern gemacht, vor denen er jetzt Angst hat und sich sogar seinen Fressen klauen lässt.




Heute Abend werden wir uns von unseren Bekanntschaften aus Mendoza verabschieden und langsam Richtung Santiago aufbrechen. Am Sonntagabend fliegt Jendrik wieder zurück und für uns geht die Reise weiter Richtung Atacamawüste.

Mir fällt das dann doch schwer, natürlich freue ich mich, dass wir bald weiterreisen, aber Mendoza ist mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich hier richtig wohl fühle. Natürlich machen hauptsächlich die Menschen einen Ort aus, und ich muss sagen ich fühle mich hier genauso wohl wie in Puerto Madryn als wir Daniel kennen gelernt haben. Irgendwann werden wir wiederkommen und man sieht sich sowieso mindestens zweimal im Leben.

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