• Karo

Was bisher geschah

Nachdem wir im April 2020 schweren Herzens unsere Reise unterbrechen mussten, ist so einiges passiert. Der Bulli steht immer noch in Lima bei unseren Freunden in Peru. Ihm geht es gut, der Tornado wird gepflegt und regelmäßig zum Laufen gebracht, damit die Batterie nicht den Geist aufgibt.

Nun nach 9 Monaten Planlosigkeit, können wir endlich sagen:

Wir sind wieder angekommen, und zwar in der Schweiz. Zermatt ist unser neues Zuhause.

Zwischen Detmold und Rheinfelden

In den letzten Monaten waren wir uns nicht sicher was denn nun der bessere Plan ist. Ich habe recht schnell in meinem Beruf einen guten Job gefunden, den ich vorerst im Home-Office ausüben durfte. Fabian konnte recht schnell seinen alten Job wieder aufnehmen. Soweit so gut, nur das es sich irgendwie nicht so erfüllend anfühlte.

Nach dieser endlosen Freiheit auf der Reise, wieder zurück in die Routine war ernüchternd. Aber es hilft ja nichts, Geld verdienen, sparen und irgendwann wieder weiter Reisen ist der Plan.

Meinen Job sollte ich nun bald im Büro aufnehmen, das Büro befindet sich im Süden Deutschlands - Weil am Rhein. Ich habe mir eine kleine Wohnung auf Zeit in Rheinfelden gesucht und bin mit Myliu täglich ins Büro. Zeitweise war es auch ganz schön eine Routine zu haben, supernette Arbeitskollegen und die Freizeit im Rahmen der Pandemiebeschränkungen zu genießen.

Was uns aber fehlte, waren wir.

Fabian arbeitete weiterhin in Bielefeld und suchte parallel einen Job im Süden Deutschlands. Wir sahen uns nur am Wochenende und mal eine Woche durchgehend, wenn ich dann Home-Office machte.

Von einem extrem in das nächste. Von 2qm Wohnfläche im Bulli, auf eine 600km weite Entfernung. Von 24/7 zusammen sein, auf 2 Tage am Wochenende.

Die Suche für Fabian verlief träge, und nach jedem Wochenende wurde die Stimmung trüb. Zur Abwechslung sind wir mal nach Zermatt. Fabian war schon mal da und hat mir vom weltberühmten Matterhorn erzählt. Ziemlich spontan sind wir dann am letzten September Wochenende (Campingplatz hat nur bis Ende September auf) mit teilweise geliehenen Camping Equipment (unseres ist im Bulli in Lima) nach Zermatt.


Schnapsidee ohne Schnaps

Ich war sofort verliebt, auch wenn das Matterhorn sich erst nicht zeigen wollte, ziemlich viele Wolken hatten den berühmten Berg umhüllt.

Dieses kleine Dorf mit teils 700Jahre alten Häuschen hat seine eigene Magie.

Schon allein, weil hier keine Autos fahren dürfen. Nur kleine E-Autos von Dienstleistern. Salsa hatten wir auf einem Parkplatz in Täsch abgestellt und sind mit dem Zug die letzte Etappe angereist.

Und dann die alten Häuser, die auf Pfählen stehen, dass man sich fragt, wie kann das überhaupt halten?! Ende September strahlten die traditionellen Häuser mit ihren Blumen in den Blumenkästen auf den Balkonen. Die kleinen Gassen, dieses ulkige schöne Gefühl beim durchlaufen der „Stadt“. Und am nächsten Tag dann das Matterhorn, majestätisch, magisch und irgendwie demütigend zu gleich. Einfach nur atemberaubend nicht nur die Bergkulisse aber auch der Ort selbst.

Als wir so durch die Gassen schlenderten, schlug Fabian vor hier hin zu ziehen und hier zu wohnen, bis sich die ganze Pandemie beruhigt hat und wir wieder Reisen können.

Die Idee war sehr romantisch und ich hätte am liebsten sofort ja gesagt aber die Realität sprach aus mir als ich sagte: "Naja, wir brauchen erstmal Jobs hier und da es eigentlich ein Tourismusort ist, sehe ich wenig Chancen jetzt was zu finden."

Ziemlich schnell wurde ich eines besserem Belehrt. Fabian schickte eine Bewerbung ab und ziemlich bald kam dann auch eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Und dann der Arbeitsvertrag. Ich war baff.

Umzug nach Zermatt

Nach „gründlicher“ Abwägung und klaren Vorteilen für ein Leben in Zermatt, ging dann auch die Wohnungssuche los. Was gar nicht so einfach ist in Zermatt. Sobald eine neue Wohnung inseriert wird, ist sie auch schon wieder weg, ohne dass auf unsere Anfrage überhaupt geantwortet wurde. Aber wie auch schon oft auf Reisen festgestellt, alles fügt sich zu seiner Zeit. So auch die Wohnung mit traumhaftem Ausblick und einer guten Aufteilung.

Letztendlich hing dann alles wieder an Myliu :D ob die Vermieter dem Hund in der Wohnung zustimmen.

Als die erlösende Zusage für die Wohnung kam, waren wir keine zwei Wochen später auch schon umgezogen.

Ein Umzug in Zermatt ist auch nicht einfach mal so gemacht. Man muss ein Umzugsunternehmen anheuern, welches mit einem Elektrowagen das Umzugsgut in den Ort fährt. Und auch hier hatten wir enorm viel Glück, die vorherige Mieterin wollte nicht alle ihre Möbel mitnehmen, und somit haben wir ihr ein Teil der Möbel abgekauft.

Somit mussten wir nur unsere Kleidung, Küchenequipment und diversen Kleinkram mitbringen. Auch wenn wir erst dachten, soviel ist das alles nicht, war Salsa am Ende dann doch ziemlich vollgepackt.

Aber bevor man überhaupt in den Ort kommt, muss noch jeglicher Bürokratiekram erledigt werden. Umzugsgut & Hund Anmeldung an der Schweizer Grenze. Zwischenzeitlich fühlten wir uns wie auf unseren Reisen bei einem Grenzübergang, nur das wir diesmal die Grenzbeamten verstanden haben. Wobei es sich dennoch genauso unorganisiert wie in Südamerika anfühlte. Jeder macht irgendwas und verteilt Stempel.

Die nächste bürokratische Hürde war dann ein Permit für die Strecke Täsch-Zermatt zu bekommen, denn nicht jedes Auto darf zum Dorfeingang fahren. Die Beantragung dieser Genehmigung las sich komplex im Internet, zum Glück war dann die Praxis einfacher als geglaubt. Wir mussten zu der Kantons Polizei in Visp fahren, den Mietvertrag vorzeigen und schon durften wir unser Permit kaufen.

Ziemlich erleichtert und aufgeregt fuhren wir nach Zermatt, es fühlte sich nicht real an.


Ein Umzugsunternehmen hatten wir nicht angeheuert, wir dachten die paar Sachen kriegen wir schon irgendwie rüber. Zum Glück hatte Fabians Bruder noch ein Bollerwagen, den haben wir mitgenommen. Der Bollerwagen war unser Umzugswagen.

Am Dorfeingang gibt es einige Parkhäuser, eins davon haben wir auch genutzt. Bis hier hin dürfen Autos mit Permit fahren, aber danach geht es nur noch zu Fuß, mit dem Rad, oder eben mit einem der Elektroautos. Unser neues Heim ist auch am Dorfeingang. Vom Balkon aus kann man das Parkhaus sehen. Also keine weite Strecke zum Laufen.

Nach dem wir die Schlüssel von der Wohnung abgeholt haben, konnten wir unser Glück noch gar nicht richtig fassen. Unglaublich - wir in Zermatt, die höchsten Berge der Alpen direkt vor der Haustür.

Wir fingen an unseren neuen besten Freund, den Bollerwagen, mit unseren Sachen zu bepacken und Ladung für Ladung in die Wohnung zu bringen. 11 „Ladungen“ später, hatten wir alles aus Salsa in der Wohnung.

Salsa steht jetzt im Parkhaus, wir haben zu der Wohnung einen dauerhaften Parkplatz im Parkhaus bekommen.

Und nun sind wir hier. Schauen jeden Tag nach ob das Matterhorn noch da ist und fühlen uns Zuhause und endlich angekommen.

Weihnachten & Silvester verbringen wir zu zweit in Zermatt, was auf Grund der Corona-Situation auch richtig ist.

Fabian fängt ab Januar seinen neuen Job an und ich, nun ja, ich suche mir auch was.

Ganz getreu der Lebenseinstellung:

Alles fügt sich zu seiner Zeit!

Schon verrückt, wenn ich überlege vor einem Jahr waren wir in Mendoza bei 36 Grad im Bulli und nun genießen wir den Ausblick vom schneebedecktem Matterhorn aus unserem Wohnzimmer.


Wir wünschen euch und euren Familien ein frohes und gesundes Weihnachtsfest!